Schließlich – zu Hause

Inzwischen ist es tatsächlich so weit, die Pfalz hat uns wohlbehalten wieder. Aber natürlich sind wir euch noch die letzte Woche unserer Reise schuldig: von Wales über Stonehenge bis nach Dover.

Nach unserer gemütlichen Nacht neben dem Castle in Caernarfon, folgen wir dem Tipp unsrer walisischen Bekanntschaften von gestern und fahren ein wenig in die Berge. Inmitten grüner Hügel und unvorstellbar viel Wald liegt das kleine Örtchen Beddgelert, durch das zwei Flüsschen fließen und deshalb wirklich nett anzuschauen ist. Berühmt geworden ist der Ort allerdings durch die bekannte Sage von Gelert, dem treuen Hund.

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Es heißt, dass der Prinz Llywelyn in der Gegend ein Jagdhaus hatte, das er gern mit seiner Familie und Gefolgschaft besuchte. Eines Tages wollte der Prinz jagen gehen und beauftragte seinen treuesten Hund, Gelert mit Namen, während seiner Abwesenheit auf den Sohn des Prinzen aufzupassen. Der kleine Junge lag in seinem Bettchen und schlief, als der Prinz mit seiner Jagdgesellschaft das Haus verließ. Bei seiner Rückkehr allerdings fand er das reinste Chaos vor: Das Zimmer des Jungen war blutverschmiert, weder vom Jungen noch von Gelert gab es die geringste Spur. Der Prinz war außer sich vor Trauer, durchsuchte das ganze Haus und fand schließlich Gelert, ebenfalls verschmiert mit Blut. Kurzerhand zog der Prinz sein Schwert und tötete den Hund. Erst da bemerkte er das sich regende Deckenbündel neben dem toten Gelert, der Sohn des Prinzen lebte. Und schließlich, als er der Blutspur folgte, sah der Prinz auch, wer das ganze Chaos angerichtet hatte: Ein Wolf war in das Jagdhaus eingedrungen und hatte versucht, den Jungen anzugreifen. Doch Gelert, mutig wie er war, hatte sich dem Wolf entgegen gestellt und den Jungen gerettet. Der Prinz erkannte seinen Fehler sofort und war tieftraurig über den Tot seines Hundes, sodass er ihn neben seiner Jagdhütte begrub und den Ort nach ihm benannte: Beddgelert – das Grab des Gelert.

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Nach dem Ausflug in die Berge zieht es uns allerdings wieder ans Meer. Wir finden ein Plätzchen in dem reizenden Städtchen Aberaeron, wo wir uns zuerst dem Strand und dann dem Fußball widmen. Leider haben wir nicht sehr viel Zeit, um uns die Umgebung ausführlich anzuschauen, denn der Termin der Fähre sitzt uns im Nacken.

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Deshalb fahren wir immer wieder größere Stücke und finden uns abends in Kidwelly wieder, etwas südlicher an der walisischen Küste. Auch hier gibt es (unter anderem) ein hübsches Schloss, gemütliche Spazierwege um den Ort und einen typisch englischen Tea-Room, in dem wir uns ein leckeres Sandwich gönnen.

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Der Sonntag begrüßt uns mit stetigem Regen. Wir planen unsere nächsten Tage und beschließen, am Montag Stonehenge zu besuchen. Dies stellt sich im Nachhinein als glückliche Entscheidung heraus, denn dienstags ist Sommersonnenwende und daher das Besucherzentrum geschlossen! Im Regen überbrücken wir also die letzten 200 irgendwas Kilometer und schlagen unser Lager in der Nähe von Salisbury auf, gleich neben der Pferderennbahn. Auf dem Coombe Campingplatz gibt es einen Stellplatz, Duschen und Strom für 20 Pfund – leider mit genügend Regen.

So machen wir uns am Montag in der Hoffnung auf, dass es nicht all zu nass werde. Der Regen hält sich wirklich in Grenzen und als wir beim Stonehenge Center eintreffen, sehen wir schon, was morgen bei der Sommersonnenwende, hier alles los sein wird: Food-Anhänger rollen über die Wege zum Monument, Flutlichtmasten werden aufgestellt, Camping-Zonen eingerichtet, alles weitgehend mit Bauzäunen abgesperrt. Wir fühlen uns fast schon wie auf einem Festival!

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Heute läuft aber alles (noch) in geregelten Bahnen. Wir sind gebührend beeindruckt von der Baukunst der frühen Zeiten. Wie haben es die Menschen nur geschafft, diese riesigen Steinblöcke nach oben zu hieven? Zusammen mit dem anschaulichen Besucherzentrum bekommt man einen angemessenen Eindruck der Bedeutung des Ortes. Uns hat es super gut gefallen, aber wie alle großen Attraktionen ist es einfach ziemlich voll.

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Die letzten zwei Tage bis zur Abfahrt verbringen wir in zwei süßen Örtchen im Süden Englands, während wir uns beim Fahren immer weiter Dover nähern. Am Montagabend landen wir in Arundel, bei dem ich mich immer wieder frage, wer sich so einen Ortsnamen ausdenkt. Nichtsdestotrotz hat uns der Ort besonders wegen seiner mittelalterlichen Umgebung gefallen: Zwei schöne Kirchen, zahlreiche Ruinen und ein majestätisches Schloss spitzeln immer wieder zwischen den Häusern hindurch.

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Dann geht es weiter nach Battle. Nördlich von Hastings, fand hier das berühmte Battle of Hastings statt, nachdem der Ort wahrscheinlich auch benannt wurde. An unserem letzten Tag in England sparen wir uns das Schlachtfeld und ziehen einfach so durch den Ort, der ansonsten vor allem durch seine Blütenpracht heraussticht.

Und dann ist er schon da, der letzte Tag unserer Reise. Wir brummen nach Dover, spazieren ein wenig am Strand entlang (leider sind die White Cliffs schon geschlossen, als wir ankommen) und beobachten die dunklen Gewitterwolken auf dem Meer. Was das wohl für unsere Überfahrt heute Nacht bedeutet? Letztendlich bemerken wir nicht viel davon, viel zu schnell sind wir schon in Calais. Und von dort ist es ja nur noch ein Sprung bis nach Hause…

Am Ende der Reise stehen mehr als 7.500 Kilometer mehr auf dem Zähler. Durchschnittlich sind wir jeden Tag 85 Kilometer gefahren, an schnellen Tagen über 200, an gemütlichen keinen einzigen. Am Ende der Reise stehen wir wieder dort, wo wir gestartet sind, und sind doch so viel weiter. Irland hat uns bereichert und uns verändert, hat uns so viel geschenkt. Insgeheim überlege ich schon, welche Orte wir unbedingt noch einmal besuchen müssen, wenn wir das nächste Mal nach Irland fahren…

Danke an alle fürs Mitlesen und Kommentieren 🙂 Bis demnächst!

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2 Kommentare zu „Schließlich – zu Hause“

  1. Schön, dass ihr wieder gut zu Hause angekommen seid. Sicher mit einem lachenden und weinendem Auge. Vielen Dank an euch beide für die tollen Berichte und die sehr schönen Bilder. Wie waren in Gedanken immer bei euch. Liebe Grüße aus dem mittlerweile sonnigen Süden. Marianne und Werner 😘

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