Richtungswechsel

Nach Belfast geht es für uns einmal mehr weiter Richtung Norden. Den Küstenabschnitt, den wir am Sonntag befahren, haben wir richtig ins Herz geschlossen. Bucht reiht sich an Bucht und dazwischen ragen die Berge bis ins Meer.

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Während der letzten Eiszeit haben hier mehrere Gletscher ihre Spuren in den Fels gefräst und atemberaubende Täler hinterlassen. Ein besonders schönes soll der Glenariff sein, doch die Straße, die das Tal entlang führt, ist leider wegen Bauarbeiten von beiden Seiten geschlossen. Schade!

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Nach einem kleinen Zwischenstopp bei den Höhlen von Cushendun, in denen auch für die Serie Game of Thrones gedreht wurde, gehen wir das letzte Stück zu unserem geplanten Übernachtungsplatz an. Wir folgen der schmalen Straße, die sich an den Hängen entlangschlängelt. Rechts tief unten leuchtet das blaue Meer, links klammert sich der gelbe Ginster an die Hänge und wir hoffen zwischendrin, dass uns kein Gegenverkehr begegnet. Aber alles geht gut und wir erreichen den kuschligen, von Hügeln umringten Stellplatz.

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Nein, der Mittelstreifen ist keine gute Orientierungshilfe... Außer vielleicht für Fahrradfahrer 😉

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Am nächsten Morgen folgen wir dem Tipp des Schildes am Parkplatz und starten zu einer kleinen Wanderung an die Küste. Seltsamerweise geht es immer noch bergauf. Tatsächlich landen wir schließlich an der Abbruchkante riesiger Klippen, die vor uns fast senkrecht ins Meer hinabfallen. Von hier aus können wir schon die Hügel Schottlands sehen! Wir fühlen uns wie am Ende der Welt – und sind dennoch nicht allein hier. Auf einer benachbarten Klippe hat es sich ein Zeitgenosse bequem gemacht, der ganz entspannt Kopf voraus auf dem Stein liegt und in die Brandung schaut. Ab und zu setzt er sich auf, nur um sich gleich wieder hinzulegen. Macht er Yoga? Beobachtet er Vögel? Wir wollen ihn nicht allzusehr stören und machen uns wieder auf den Weg.

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Unsere nächste Station ist die „berühmte“ Hängeseilbrücke Carrick-a-Rede zwischen dem Festland und einer kleinen, vorgelagerten Insel. Einst wurde sie von Fischern erbaut, die sich von der Insel aus bessere Fänge erhofften. Heute dient sie als Touristenmagnet. Wir stellen uns geduldig in die Schlange. Es ist ein aufregendes Gefühl, über die frei hängende Brücke zu laufen und das schäumende Wasser unter sich zu sehen, doch viel zu schnell ist das Erlebnis vorbei und wir überlegen, was wir noch machen können.

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Für Dienstag steht der Giant’s Causeway auf dem Plan, deshalb rollen wir schonmal in das benachbarte Städtchen Bushmills (berühmt vor allem durch seinen Whiskey) und quartieren uns im dortigen Camping-Platz ein. Für 25 Pfund gibts einen schönen Platz, tolle Sanitäranlagen, Strom, WLAN und die Möglichkeit Wäsche zu waschen. Hier ist im Gegensatz zu vielen anderen Camping-Plätzen schon richtig was los und nach dem wir uns angemeldet haben, rollen gleich noch drei weitere Camper herein. Was ist hier dann erst im Hochsommer los?

Am Dienstag also der Giant’s Causeway. Dieser Küstenabschnitt ist das dritte UNESCO-Weltkulturerbe in Irland, und das letzte, das uns noch fehlt. Besonders sind hier die vielen sechs- bis acht-eckigen Steinsäulen, die sich zwischen Bergen und Wasser erheben. Dazu gehören allerdings auch die vielen Geschichten, die sich seit Jahrhunderten über diese Region erzählt werden: Über den Riesen Finn, seine Streitlust, seine Oma, seine Orgel und seinen Schuh, den er auf der Flucht vor dem noch größeren Riesen aus Schottland verlor.

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Mit diesen Geschichten aus dem Audio-Guide am Ohr wandern wir vom Besucherzentrum hinunter zu den „Stones“, wie die Säulen hier auch schlicht genannt werden. Unterwegs bekommen wir auch noch erklärt, wie diese Säulen überhaupt entstehen konnten: Ein Becken in der urzeitlichen Landschaft wurde von Lava geflutet. Der obere Teil der Lava kühlte schnell ab und sah sich Wetter- und sonstigen Einflüssen ausgesetzt. Der untere Teil, geschützt durch den oberen, kühlte langsamer und ungestört ab und suchte sich daher die energieärmste Form zum Erstarren. Mit der Zeit wurde der obere Teil abgetragen und die Säulen darunter freigelegt. Für uns wirken diese Formationen irgendwie unwirklich, als hätte sie ein Designer geschaffen und nicht die Natur. Auf jeden Fall sehr beeindruckend!

Auf dem Weg zu unserem nächsten Übernachtungsplatz nehmen wir noch die Dark Hedges mit, die zumindest den Game of Thrones-Sehern bekannt sein sollten, aber wahrscheinlich auch noch vielen anderen. Sucht man bei Google nach „Bildern aus Irland“, ist diese Allee zu hundert Prozent unter den Top-Suchergebnissen. Ob sich der Schöpfer im achtzehnten Jahrhundert vorstellen konnte, wie bekannt seine Bäume werden würden?

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Ausblick auf den größten Strand Nordirlands

Vorbei am größten Sandstrand Nordirlands (denn leider ist kein Strandwetter), geht es für uns nach (London)Derry. Diese Stadt stand im Laufe der irisch-irischen Geschichte gleich mehrmals im Fokus, hier eskalierte die Lage Ende der Sechziger zum tatsächlichen Nordirlandkonflikt und auch der Bloody Sunday fand hier statt. Man spürt die Trennung von Katholiken und Protestanten noch heute, vor allem wenn man auf der noch intakten Stadtmauer durch die Stadt streift. Wir erleben Derry allerdings eher als eine sehr freundliche, gemütliche Stadt, in der es uns wirklich gefällt.

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In welcher anderen Stadt findet man Kanonen auf Kirchen gerichtet?
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Die Peace-Bridge, die den katholische mit dem protestantischen Stadtteil verbindet
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Ein politisches Wandgemälde

Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung und beglückt uns mit Regen. Nach eineinhalb Tagen in Derry beschließen wir, wieder aufzubrechen und in die „Republik“ zurückzukehren. Endlich müssen wir keine Preise und Entfernungen mehr umrechnen! Von Derry aus geht es wieder einmal nach Norden, an der schönen Küste des Lough Foyle entlang.

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Heute allerdings machen wir dem „immer Richtung Norden“ ein Ende, denn wir landen schließlich am Malin Head, dem nördlichsten Punkt Irlands. Außerdem gibt es hier noch Hinweise zum Höllenschlund (den wir aber irgendwie nicht finden konnten), einen Espresso-Laster (der leider schon zu hat und fährt, als wir ankommen) und haufenweise schlechtes Wetter, sodass es fast nichts zu berichten gäbe, hätten wir nicht den Geo-Caching-Schatz entdeckt! In einem unserer Reiseführer sind ab und zu GPS-Koordinaten abgedruckt, an denen man eine kleine Box finden kann, in der vorherige Finder Kleinigkeiten verstaut haben. Nimmt man etwas heraus, muss man etwas anderes hineinlegen. Was wir versteckt haben? Findet es selbst heraus! Die Koordinaten gibts auf Anfrage 😉

Nachdem wir die Box wieder an ihrem ursprünglichen Ort versteckt haben, rollen wir wieder ein Stück nach Süden, zum Pollan Beach. Der Plan für die nächsten Tage: wieder nach Süden, hoffentlich mit besserem Wetter!

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Trotz dunkler Wolken ein schöner Anblick

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3 Kommentare zu „Richtungswechsel“

  1. Hallo Ihr Nachteulen, habe gerade Euren wieder mal wunderschönen Bericht gelesen. Am besten gefällt mir das Foto der Allee Dark Hedges.
    Die Hälfte Eurer 100-Tage-Tour ist ja schon rum, bin gespannt, was Ihr noch so alles entdeckt.

    1. Ja, so langsam merken wir auch, welche Orte uns im Rückblick am besten gefallen haben und hoffen, dass noch viele weitere dazu kommen! 🙂 liebe Grüße

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