Aus Metern werden Meilen (mit Bildern)

Seit dem letzten Beitrag ist viel geschehen, umso ärgerlicher, dass wir im Moment so selten Internet haben.

Am Samstag fahren wir, wie geplant, zum Brú na Boinne, dem Besucherzentrum für Newgrange. Dort gibt es zwei große Ganggräber zu sehen, also in etwa künstliche Hügel, durch die ein oder mehrere Gänge zu einer zentralen Kammer führen. Die Fundstellen in diesem Gebiet gehören zum UNESCO Weltkulturerbe und sind dementsprechend eher auf Massen von Touristen ausgelegt. Uns stört das heute nicht, wir sind viel eher beeindruckt von den Baufertigkeiten der Menschen aus dem neolithischen Zeitalter. So sind zum Beispiel die Dachsteine der Hauptkammer in Newgrange so exakt gesetzt, dass bis heute kein Wasser eindringt.

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Knowth, das größere der beiden offenen Ganggräber

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Geheimnisvolle Verzierungen, was die wohl bedeuten?

Wofür diese Ganggräber damals gedacht waren? Genau weiß man es nicht. Klar ist nur, dass anscheinend der menschliche Tod und die auf- und untergehende Sonne an bestimmten Tagen in Verbindung gebracht wurden.

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Der Eingang von Newgrange. Durch das Loch über der Tür fällt am Tag der Sommersonnenwende ein Lichtstrahl bis in die innerste Kammer.

Ein besonderer Ort der Macht und der Verehrung war auch der Hill of Tara, den wir an diesem Abend noch besuchen. Wir ahnen nichts, sind einfach nur auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz, und finden uns plötzlich mitten im Dorfgeschehen wieder. Von Kieran, JB und den anderen bekommen wir erst einmal Gastgeschenke wie wilden Knoblauch, ein selbstgeknüpftes Armband und einen Gedichtband, geschrieben von Kieran höchstpersönlich. JB wird diesen Zufall später als die Anziehungskraft dieses Ortes beschreiben, die schon viele Leute (ungewollt) zum Hill of Tara brachte. Wir verbringen den Abend schließlich in Kierans Bus, bei mehreren Tassen Tee und unzähligen (ur-)irischen Geschichten.

Am nächsten Tag sind wir erst einmal überrascht, wie anders der Hill of Tara tagsüber aussieht. Unser Womo ist von den vielen Besuchern eingeparkt, die Touristen schlendern über die grünen Hügel und die Straßen sind voll von Eis essenden Kindern. Selbst wenn wir wollten, könnten wir nicht wegfahren. So bleibt uns genug Zeit, uns mit diesem Hill genauer zu beschäftigen.
Früher war er angeblich zuerst Lebensort eines fremden, elfen-ähnlichen Volkes, dann Wirkstätte der höchsten Druiden und später Sitz und Versammlungsort der 140 Hochkönige von Irland, auch wenn die nie wirklich über große Gebiete herrschten. Heute ist von all dem nicht mehr viel zu erkennen: Ein paar Hügel erheben sich unter der grünen Wiese und auf einem steht der angebliche Krönungsstein der Könige.

Wir wandern ein wenig um den Hill, besuchen die „Heilige Quelle“ und sehen zu, wie sich abends der Parkplatz wieder leert und sich stattdessen nun die Einheimischen hier treffen. Alle sind wirklich nett und wir werden aufgenommen, als gehörten wir schon ewig dazu.

Dementsprechend schwer tuen wir uns am Montag damit, weiterzufahren. Doch wir haben ein großes Ziel im Blick: Nordirland. Wir fahren nicht lange und schon sind die Entfernungen in Meilen, die Preise in Pfund angegeben. Sonst ändert sich zunächst nicht viel. Den Grenzübertritt spüren wir nicht. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Warrenpoint fahren wir noch ein Stück in die Berge und erfreuen uns am noch immer gelb leuchtenden Ginster.

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Ginster und Berge im Silent Valley

Als wir am nächsten Morgen aufbrechen, weisen alle Schilder zum Silent Valley. Dieses Tal wird von zwei großen Stauseen eingenommen, die entstanden, als Anfang der 30er hier ein riesiger Staudamm gebaut wurde, um die steigende Wassernachfrage Belfasts und der Umgebung zu befriedigen. Seit dem ist das Gebiet in der Hand der Nationalen Wassergesellschaft und die hat den Bereich um die Seen herum zu einem Park ausgebaut. Wir genießen das absolut gute Wetter und picknicken in der Sonne.

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Perfekter Ort für ein Picknick

Für die Nacht finden wir uns bald darauf in einem weiteren Park wieder. Zurück an der Küste fahren wir durch Newcastle, versorgen uns mit touristischem Informationsmaterial und parken im Tollymore Forest, wo man für 19 Pfund einen Stellplatz, Duschen, Strom und ein wunderschön verwunschenes Waldstück vor der Haustür bekommt. Den Mittwoch nutzen wir zur ausführlichen Besichtigung, auch weil wir erfahren haben, dass hier einige Szenen der bekannten Fantasy-Fernseh-Serie Game of Thrones gedreht wurden. Für Kenner: Tollymore Forest diente als Schauplatz für die Waldgebiete rund um Winterfell.

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Für uns geht es noch ein Stück weiter nach Norden, immer an der Küste entlang. Große Unterschiede konnten wir bisher noch nicht zum Süden Irland’s ausmachen, die Dörfer haben vielleicht nicht ganz so viele Pubs, aber dafür sind die Straßen etwas besser ausgebaut.

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Aussicht von der Straße Nr. 1
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Und Nr. 2

Nach einem Übernachtungs-Stopp an der Küste befassen wir uns weiter mit den Drehorten von Game of Thrones. Nicht weit von uns liegt Castle Ward, das die meisten wohl als Winterfell erkennen werden. Doch bevor wir zu dem Castle gelangen, müssen wir, einmal mehr, durch einen hübsch angelegten Park. Auf dem Gelände finden wir einen „versunkenen Garten“, ein ansehnliches Herrenhaus, ein Café, ein Buchladen, ein Souvenierladen, mehrere Seen, Alleen, Steinformationen, Häuser und Ruinen… schlicht mehr, als wir uns anschauen können.

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Der versunkene Garten
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"Burg Winterfell"

Nächster Halt auf unserer Game of Thrones Entdeckungstour ist die Inch Abbey. Ein weiterer Drehort, ungleich verlassener und vergessener als die anderen beiden vorher. Dachten wir. Bis ein Reisebus mit zwanzig bewaffneten und in Umhängen gekleideten Leuten auftaucht. Das macht den Schauplatz irgendwie noch authentischer, aber damit sich die Leute von uns nicht zu beobachtet fühlen, fahren wir weiter Richtung Norden.

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Inch Abbey - vor der Reisegruppe

Belfast – unser nächstes Ziel – ist schon in Sichtweite, doch wir machen vorher noch einen Bogen zurück an die Küste. Viele kleine Örtchen drängen sich hier ans Meer und wir wissen gar nicht, wo wir zuerst Halt machen sollen. Schließlich landen wir in Bangor. Das Wetter ist (noch immer) klasse und so schlendern wir durch die Stadt, stocken unsere Vorräter wieder auf und ärgern uns ein wenig darüber, dass in Nordirland doch alles ein wenig teurer ist als im Süden. Gleich neben Bangor liegt Holywood, das alleine wegen seinem Namen einen Abstecher verdient. Gleich dahinter erstreckt sich dann auch schon Belfast um die Mündung des Lagan herum.

Wir beziehen Lager ein kleines Stück hinter Belfast, nachdem wir in der Innenstadt erfolglos nach einem Übernachtungsplatz gesucht haben. Mit dem Zug sind es von hier aus nur 10 Minuten in die Stadtmitte, sodass wir den Tag heute in der Hauptstadt Nordirlands voll ausnutzen können. Wir besuchen zu allererst das Titanic Museum, das wirklich toll gestaltet ist und mit allem aufwartet, was ein Museum heutzutage so bieten kann: 3D-Walkthroughs durch das Schiff, Touchscreens und interaktive Grafiken, Gläsböden mit Video-Animation darunter, ein kleines Kino, eine Art Mini-Geisterbahn, die durch die Fertigungsanlagen führt… Auf jeden Fall genug für einen Vormittag.

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Schon von Weitem ist das Museum zu erkennen

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Nachmittags vertreiben wir uns die Zeit in der Innenstadt und schlendern durch die Einkaufsstraßen und -center. Eigentlich ist Belfast durchaus eine schöne Stadt mit vielen neuen und herausgeputzten Gebäuden, aber irgendwie kommt sie uns „leer“ vor, vor allem im Vergleich mit dem lebhaften Dublin.

Unsere nächsten Pläne: Weiter an der Küste entlang Richtung Norden! Bis demnächst (beziehungsweise bis zum nächsten freien WLAN :P).

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3 Kommentare zu „Aus Metern werden Meilen (mit Bildern)“

  1. Hallo ihr beiden. Durch die wunderschönen Bilder ist euer Beitrag noch lebendiger geworden. Vielen Dank dafür. Liebe Grüße

  2. Euch ist wieder ein toller Bericht mit schönen Bildern gelungen, einfach super eure Reise begleiten zu dürfen,macht weiter so und ganz viele liebe Grüße aus Fußgönheim

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