Rocky Road to Dublin

Am Morgen nach dem Abend im Pub verdeckt dichter Nebel die Landschaft. Unser nächstes Ziel ist der Burren, eine Landschaft, die von rissigem Gestein geprägt ist. Abfließendes Regenwasser hat über Jahrhunderte tiefe Rillen in den weichen Kalkboden gefressen, aus denen nun seltene Pflanzen und Moose wachsen. Wir fahren auf kurvigen Sträßchen durch das Gebiet und sind einfach nur beeindruckt.

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Mitten im Burren liegt auch die Schaffarm Caherconnell, die, wie wir vorher gehört haben, Sheepdog Demonstrations anbieten soll. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen!

Es ist wirklich cool, wie der Schäfer nur durch einzelne Wörter oder Pfeiftöne seine Hunde dazu bringt, die Schafe auf einem bestimmten Kurs zu halten – und das über riesige Entfernungen hinweg. Wie er uns erzählt, braucht ein Hund drei Jahre Ausbildung, bevor er bei der Arbeit im Gelände einsetzbar ist. Wir sehen auch warum: Findet Lin, die zweijährige Ausbildungshündin, einmal etwas interessanter als die aktuelle Übung, tanzen gleich ein paar Schafe aus der Reihe.

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Der Schäfer mit seinen drei Hunden

Die Schafe sind heute nur zu siebt auf dem Übungs-Pacours, denn die anderen stehen mit ihren Lämmchen in einem nahegelegenen Gehege. Keines der Lämmchen ist älter als zwei Wochen, das jüngste sogar erst zwei Tage. Ob man die mal streicheln darf? Na klar! Und sofort habe ich ein zitterndes Lämmchen auf dem Arm, das wahrscheinlich gerade den Schock seines Lebens erleidet.

Wir beenden den Tag mit einer letzten kurzen Fahrstrecke zurück ans Meer und stehen schließlich direkt an einem riesigen Sandstrand, dem Traught Strand. Im Sommer wäre hier bestimmt richtig was los! Aber Anfang Mai ist der Parkplatz so gut wie leer. Erst am nächsten Morgen rollen einige Autos an, deren Fahrer nur ein Ziel kennen: Wellen und Meer. Die Kyte-Surfer haben sich anscheinend für diesen freien Montag (erster Montag im Mai = Feiertag) verabredet, um gemeinsam über die Wellen zu flitzen.

Diesem Spektakel kehren wir allerdings den Rücken, um unser nächstes Ziel anzusteuern: Wir wollen nach Dublin. Jetzt fragen sich viele bestimmt: Dublin? Das liegt aber nicht auf der geplanten Route. Stimmt! Allerdings hat dieser Schwenk zwei Gründe: Erstens ist Dublin von unserer aktuellen Position gar nicht so weit weg (nur etwas mehr als 200 km), und Zweitens haben wir nach vier Wochen voller Felder und Küste richtig Lust auf die Landeshauptstadt. Also auf nach Dublin!

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Mit einem Zwischenstopp und Übernachtung in Athlone erreichen wir den Camping-Platz in Dublin am Dienstag Vormittag, also ist noch genug Zeit, um den nächsten Bus in die Stadt zu nehmen. Die erste Hürde: Bustickets können nur mit Münzen bezahlt werden und der Busfahrer gibt kein Wechselgeld. Dafür dürfen wir ganz entspannt im Doppeldecker-Bus fahren und uns die Stadt ein wenig von oben ansehen.

Dublin ist eine Hafenstadt, die um die Mündung des Flusses Liffey liegt. Der Liffey teilt die Stadt in einen Nord- und einen Südteil und natürlich findet das meiste Geschehen rund um die Flussufer statt. Folgt man dem Fluss in Richtung Mündung lassen sich die einzelnen Entwicklungsschritte der Stadt ablesen: Vom Handelsdreh- und -angelpunkt über das Bankenzentrum bis hin zum Hauptquartier für Start-Ups und internationale Tech-Firmen wie Amazon und Facebook.

Wie das so bei einer Hauptstadt ist, gibt es immer viel mehr zu sehen als Zeit zur Verfügung steht, vor allem wenn die Sehenswürdigkeiten etwas weiter auseinander liegen. In den zwei Tagen Dublin sehen wir die Wahrzeichen der Stadt, wie etwa die St. Patricks Cathedral, deren Grundmauern bis auf ein Gebäude im Jahre 450 zurückreichen, die Statue von Molly Malone, einer fiktiven Marktfrau aus einem bekannten irischen Lied, das Trinity College, das so manch berühmten Schriftsteller hervorgebracht hat, das Viertel Temple Bar, in dem sich Pub and Pub reiht, und noch Vieles mehr. Was mich an Dublin begeistert hat: Hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken, sei es ein kleiner Kunsthandwerker-Markt, ein Straßenmusiker, der auf seiner E-Gitarre Santana-Hits covert, oder ein Pub, aus dem schon die Live-Musik zu hören ist. Auf jeden Fall ist überall etwas los.

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Trinity College
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St. Patricks Cathedral
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Molly Malone
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Der Liffey mit Auswanderer-Schiff im Vordergrund und Harfen-Brücke im Hintergrund
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Ganz viele Bars und Pubs...

Am Donnerstag verabschieden wir uns von Dublin, aber auch von meinen Eltern, die uns bis hierhin begleitet haben. Habt eine gute Überfahrt und kommt gut zu Hause an! Danke, dass ihr uns so lange besucht habt.

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Nach den ganzem Besuchen geht's für uns weiter nach Norden 😉

Für uns geht es ab jetzt an der Ostküste weiter nach Norden. Erster Halt ist dabei Skerries, wo wir einen tollen Übernachtungsplatz direkt am Strand finden. Mittlerweile ist es merklich wärmer geworden und wir genießen die Sonne ohne den sonst so störenden, kalten Wind. Heute Morgen haben wir uns auch noch das Wahrzeichen von Skerries angeschaut: die Windmühlen. Sehr malerisch sitzen sie auf zwei benachbarten Hügeln, neben an gibt es ein paar kleine Mühlweiher und Bäche und auf jeden Fall viel Grün. Genau das Richtige für einen kleinen Spaziergang und eine anschließende Runde Fußball.

Auf der Karte entdecken wir noch zwei kleine OPW-geführte Sehenswürdigkeiten, die wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen wollen. Zum Einen schauen wir uns das Battle of the Boyne Besucherzentrum an, das sehr anschaulich eine der wichtigsten Schlachten Englands aufarbeitet. James II wurde von seinem Schwiegersohn William III um den Englischen Thron gebracht und will sich mithilfe seines katholischen Glaubensbruders Louis XIV aus Frankreich sein Reich zurückerobern. Im Jahre 1690 treffen beide Truppen am Fluss Boyne aufeinander. James II unterliegt und muss zu seinem Freund nach Paris fliehen, William III dagegen geht gefestigt aus der Auseinandersetzung hervor.

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Besucherzentrum mit Café und hübschem Garten

Zum Anderen finden wir noch die Mellifont Abbey, einer Klosterruine mit geräumigem Parkplatz. Ein schönes Plätzchen für die Nacht! Morgen wollen wir nach Newgrange, einem UNESCO-Weltkulturerbe! Wir sind schon sehr gespannt. Bis demnächst 🙂

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4 Kommentare zu „Rocky Road to Dublin“

  1. Hallo Ihr beiden,
    Viele liebe Grüße aus Annweiler.
    Tolle Berichte und tolle Bilder .
    Es packt einem das Fernweh.
    Uschi und Gerhard

    1. Hallo ihr Zwei, schön von euch zu hören! Freut uns zu wissen, dass euch unsere Berichte gefallen.
      Viele Grüße nach Annweiler! 😊

  2. Hallo ihr Langzeiturlauber, echt herrliche Berichte und wunderschöne Bilder. Schön auf diese Weise ein wenig an eurer Tour teilhaben zu können. Weiterhin gute und sichere Fahrt und euch noch eine wunderschöne Zeit in Irland.

  3. Hallo ihr beiden . Schön wieder von euch zu lesen und ganz tolle Bilder, die ihr gemacht habt. Man sieht, dass es euch Spaß macht. Liebe Grüße und weiterhin gute Fahrt.

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