Abseits der Wege

An diesem bedeckten und etwas regnerischen Mittwoch-Morgen fahren wir weiter nach Clonakilty. In dem kleinen Städtchen schlendern wir an den Geschäften vorbei und überlegen, was wir mit dem Tag noch so anfangen könnten. Ein netter Verkäufer aus dem Musikladen rät uns zu einem Besuch des Drombeg Steinkreises ganz in der Nähe. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Inzwischen hat sich auch das Wetter verbessert und so können wir bei strahlendem Sonnenschein den Steinkreis und die Überreste einer 2000 Jahre alten Siedlung betrachten.

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Am nächsten Tag beschließen wir, weiter nach Skibbereen zu fahren. Die Stadt wirkt sehr geschäftig, aber kann uns nicht lange fesseln, denn wir wollen wieder zurück ans Meer.

Es ist nur noch eine kurze Fahrt die Landzunge hinunter bis nach Baltimore. Wir können uns richtig gut vorstellen, wie hier im Sommer richtig viel los ist. Schilder preisen Bucht-Rundfahrten und „Whale & Seal“-Watching an, doch im Moment liegen die meisten Boote noch eingemottet im Trockenen. Wir bleiben diesen Abend trotzdem hier und genießen die letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages vorm Pub mit einem Pint Red.

Die einzigen Boote, die in der Nebensaison den Hafen von Baltimore anfahren, sind die Inselfähren. Mit einer dieser Fähren machen wir uns freitags morgens auf zum Cape Clear, einer Insel südlich der Baltimore-Landzunge. Dort liegt der südlichste Pub Irlands, südlicher als diese Insel liegt nur noch ein einsamer Leuchtturm auf einem kleinen Felsen im Meer (Fastnet Rock).

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Unsere (orangene) Fähre von Baltimore zum Cape Clear.

Die Inselfähre liefert uns also am Cape Clear ab und die Mannschaft schärft uns ein, auf jeden Fall um 16 Uhr wieder am Pier zu sein, denn dies ist die einzige Verbindung heute nach Baltimore zurück. Auf Cape Clear gibt es neben dem Pub (der leider noch geschlossen hat) auch einen Kiosk mit Café, eine kleine Schule und diverse Wanderwege. Wagemutig folgen wir den bunten Pfeilen die Hügel hinauf.

Nun sind allerdings Wanderwege in Irland nicht unbedingt das, was wir zu Hause unter Wanderwegen kennen. Mehrmals stehen wir vor dem Problem, dass die Wiese, über die der Weg führt, komplett unter Wasser steht oder nur noch Matsch ist. Wer keine wasserfesten Schuhe an hat, holt sich schnell nasse Füße oder sucht sich einen Weg (über Mauern und Zäune) um die nassen Stellen herum. Ab und zu sind auch unsere Kletterkünste gefragt, wenn es steil die Felswand hinauf geht, und um das Abenteuer perfekt zu machen, begegnen wir unterwegs (neben Schafen, Kühen und Schweinen) Pferden, die auf dem Weg herumstehen und uns neugierig anschnauben, als wir uns an ihnen vorbei schleichen wollen.

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Letztendlich werden wir aber mit tollen Aussichtspunkten belohnt, hinüber zum Festland und über die gesamte Insel. Wir schaffen es sogar pünktlich zur Fähre nach Baltimore zurück. Die Fährfahrt an sich ist auch noch einmal spannend, weil wir ein Stück von Hafen-Seehunden und Delfinen begleitet werden.

Auf unserem Samstagsprogramm stehen zwei Leuchttürme, von denen einer im Reiseführer als „Must-Do-Experience“ betitelt wurde – also nichts wie hin. Am Mizen Head, dem südlichsten Festland-Punkt Irlands, finden wir neben dem erwarteten Leuchtturm sogar ein gut ausgebautes Besucherzentrum, eine atemberaubende Brücke und mehrere tolle Aussichtsplattformen, von denen man die Felsen und Klippen der Küste wunderbar bestaunen kann.

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Miniaturansicht des Mizen-Head-Areals von oben.

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Allerdings ist uns hier ein wenig zu viel los, um über Nacht zu bleiben, deshalb geht es noch einmal ein gutes Stück weiter auf die nächste Landzunge, zum Sheeps Head. Warum dieser Leuchtturm so heißt? Weil die gesamte Landzunge von mehr oder weniger frei herum laufenden Schafen bevölkert wird. Abends bekommen wir sogar noch Besuch von einer kleinen Familie mit zwei Lämmchen. Was wir allerdings nicht wissen: Nach einer gefühlt ewigen, einspurigen Straße, mehreren Ausweichmanövern bei Gegenverkehr und unzähligen Schlaglöchern ist es vom Parkplatz aus immer noch eine Wanderung von einer Stunde bis zum Leuchtturm. Das verschieben wir entspannt auf den Sonntag.

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Was (wieder einmal) als entspannter Spaziergang auf betoniertem Weg beginnt, verwandelt sich innerhalb der zwei Stunden, die wir unterwegs sind, wieder zu einer ausgereiften Abenteuer-Wanderung. Manche Stellen stehen wieder unter Wasser, sind wegen abstürzender Klippen gesperrt oder so unübersichtlich, dass wir die Wegmarkierungen aus den Augen verlieren. Auf jeden Fall macht es richtig Spaß!

Nach diesen Strapazen gönnen wir uns erst einmal einen Kaffee in der Berghütte am Parkplatz und fahren dann weiter Bantry. Dort sind wir froh, als wir (sonntags) eine offene Tankstelle und einen Supermarkt finden, denn unsere Vorräte waren doch etwas geschrumpft. So richtig begeistern kann uns Bantry allerdings nicht, und so fahren wir weiter nach Glengarriff, wo wir die Nacht ganz ruhig auf einem Parkplatz in einem Natur-Reservat verbringen.

Unser Ziel heute war der Bamboo Park in Glengarriff. Hier hat sich jemand die Mühe gemacht und auf seinem Privatgrundstück allerlei Bambus-Sorten angepflanzt. Viel beeindruckender als der viele Bambus waren für mich allerdings die urzeitlich aussehenden Farnbäume und andere seltsame Gewächse, bei denen ich mir noch nicht ganz sicher bin, was sie eigentlich sind! Vielleicht kann mich ja jemand erhellen, wenn er/sie es weiß 😉

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Was ist das nur? 😀

Nach dem Park fahren wir weiter auf dem Ring of Beara, also entlang der nächsten Landzunge. Bei Castletownbere machen wir einen kurzen Abstecher, bevor wir uns entschließen, wieder ein Stück zurück zu fahren und dort die Nacht auf dem Camping-Platz zu verbringen. Für 19 € gibt’s „all inclusive“, wie es der Besitzer lächelnd genannt hat, und so stehen wir heute Abend gemütlich am Fuße des Hungry Hill.

Morgen wollen wir allerdings zeitig los und mit der Seilbahn auf die Dursey Island. Dort kann man, wie wir gehört haben, auch gut wandern. Mal sehen, ob wir da auch so oft „abseits der Wege“ unterwegs sind 😉

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13 Kommentare zu „Abseits der Wege“

  1. HALLO IHR ZWEI,
    tolle Berichte und schöne Bilder …, nur schade,dass wir nicht dabei sein können. Dann mal noch viel Spaß und weiter so mit den tollen Infos zum Land.
    GVLG
    Marion,Michel & Alena

  2. Hallo ihr beiden. Das ist wieder ein toller Bericht. Da habt ihr ja viel erlebt. Bis zum nächsten Reisebericht, der mit Spannung erwartet wird. Liebe Grüße Marianne

    1. Vielen Dank! 😊
      Schön, dass ihr unsere Beiträge so eifrig verfolgt. Wir genießen die Zeit wirklich sehr und hoffen, ihr lasst es euch in der Pfalz auch gut gehen, bis ihr nach Frankreich aufbrecht. Liebe Grüße 🍀☺️

      1. Eure Berichte machen so viel Spaß und die Bilder sind so toll, dass ich am liebsten bei euch wäre. Ich wäre aber bei euren Wanderungen eher hinderlich (Ha Ha). Uns geht es ganz gut. Das Wetter ist gut durchwachsen. Bis bald. Alles liebe euch beiden. 😚❤

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